Kydexmesserscheiden selber bauen

Gepostet von am Apr 4, 2013 in Ausrüstung, Zombie Best Of, Zombiejäger, Zombietotal |

Kydexmesserscheiden selber bauen

Kydexscheiden selbt gemacht – ein Tutorial

Als Zombiejäger ist es unerlässlich, dass man auf seine Waffen und Werkzeuge einen schnellen Zugriff hat und diese trotzdem gegen Verlust gesichert sind. Wer kennt das nicht, man steckt sich die Pistole in den Gürtel und beim Fliehen vor der Zombiemeute rutscht diese plötzlich raus und ist für immer verloren.

Im taktischen Bereich, also beim Militär, der Polizei und auch bei Sportschützen, ist es bereits gang und gebe, dass u.a. Messer und Pistolen in Kydexscheiden verstaut werden. Ich möchte Euch nun zeigen, wie ich meine erste Kydexscheide selber hergestellt habe.

KydexAber wollen wir das Pferd mal nicht von hinten aufzäumen, manch einer fragt sich vielleicht was Kydex überhaupt ist.

Kydex ist ein thermoplastischer Kunststoff, der sich im Temperaturbereich von rd. 100 bis 130 ° C verformen lässt und nach dem Abkühlen die neue Form beibehält. Dieser Vorgang ist reversibel, das heißt er kann durch Abkühlung und Wiedererwärmung beliebig oft wiederholt werden. Kydex zeichnet sich durch hohe Festigkeit und Härte sowie gute chemische und Feuerbeständigkeit aus.

Vor dem Bau der Kydexscheide

Um Kydex in eine gewünschte Form zu bringen, benötigen wir eine Presse. Da wir nicht vorhaben professionell Kydexscheiden herzustellen, macht es auch eine selbstgebastelte Kydexpresse. Dafür brauchen wir lediglich zwei stabile Bretter, eine alte Isomatte und doppelseitiges Klebeband.

Kydex - PresseDie Bretter einfach mit drei Lagen der Isomatte bekleben und fertig ist die Kydexpresse. Ich gebe zu, meine Variante (siehe Foto) mit der lila-schwarzem Isomatte ist nicht die hübscheste aber es funktioniert.

Nach einigen „Pressungen“ sollte man die Isomatte austauschen, da durch die Hitze Verformungen entstehen. Es gibt im Fachhandel speziellen hitzbeständigen Schaumstoff, den ich allerdings noch nie verwendet habe.

Auf der amerikanischen Internetseite von KnifeKit.com gibt es komplette Kydexpressen zu kaufen. Das leidige Problem ist halt wie immer der Zoll, wer jedoch die Mehrkosten nicht scheut, dem kann ich diese Seite nur empfehlen. Dort gibt es alles an Zubehör, was zum Bau von Kydexscheiden oder -holster benötigt wird.

Ich möchte aber nicht unseren kleinen heimischen Markt vergessen. Denn wir benötigen noch Ösen und natürlich Kydex. Ich habe mir meine Erstausstattung an Kydex und Ösen samt Nietwerkzeug bei holsterbau.de gekauft. Dort ist übrigens auch der spezielle Schaumstoff verfügbar.

kydex

Für die Arbeiten mit dem Kydex benötigen wir noch einige Werkzeuge: Heißluftpistole, Bohrmaschine, Teppichmesser, Säge, Feile, Sandpapier, Nietwerkzeug (Nietzange) und Kreppband oder Panzertape.

Ich habe glücklicherweise einen Dremel, der mit seinen vielen Möglichkeiten bzw. Zubehör die Bohrmaschine, Säge und Feile ersetzt hat.

Ich empfehle noch ein paar Arbeitshandschuhe, da man sich sonst schnell die Finger verbrennt. Ein paar alte Baumwollhandschuhe erfüllen aber auch ihren Zweck.

Die Kydexplatte sollte nun grob zugeschnitten werden, so dass neben der Klinge noch ausreichend Platz für die Ösen ist. Es gibt verschiedene Methoden wie man die Scheide letztendlich designt, man kann das Kydex um die Klinge „wickeln“ kydexoder mit zwei einzelnen Platten vernieten. Reichlich Inspiration gibt es im Internet.

Als letzte Vorarbeit empfiehlt es sich die Klinge mit dem Kreppband oder mit Panzertape abzukleben, damit die Scheide nicht zu eng anliegt. Am Griff kann man sich dies jedoch sparen, da das Messer ja sicher in der Scheide gehalten werden soll.

Erhitzen des Kydex

Ich empfehle eine Heissluftpistole mit stufenloser Temperatureinstellung, da die günstigeren bereits auf der kleinsten Stufe mit 500° C erhitzen. Das Kydex ist jedoch bereits im Temperaturbereich von 100° – 130° C verarbeitbar bzw. weich genug, um gepresst zu werden. Ab über 200° C überhitzt Kydex jedoch, schlägt Blasen und verliert damit seine thermoplastischen Eigenschaften.

kydex

Eine weitere, sogar bessere Methode zum Erhitzen des Kydex ist ein Backofen, da hier das Kydex gleichmäßig erwärmt wird. Nun gibt es jedoch die Problematik, dass Kydex bzw. Kunststoff beim Erhitzen Lösungsmittel oder was weiß der Teufel noch alles ausscheidet, so dass der heimische Backofen nicht wirklich zu empfehlen ist. Laut dem FAQ des Herstellers, der Kleerdex Company, scheidet das Kydex zwar erst beim Überhitzen gesundheitsschädliche Gase aus, trotzdem benutze ich nicht meinen Backofen zuhause. Ich spiele jedoch mit dem Gedanken mir einen kleinen Tischofen zuzulegen, der dann nur zum „Kydex’n“ verwendet wird. Letztendlich sollte man den Backofen nie auf über 190° C einstellen, so kann nichts passieren.

Das Kydex wird beim Erhitzen immer weicher und ist einsatzbereit, wenn es ungefähr die Konsistenz einer al denten Bandnudel hat. Wenn man die erhitze Kydexplatte zusammenfaltet und das Material versucht sich wieder aufzurichten, sollte man es weiter erwärmen.

KydexPressen und Feintuning

Wenn das Kydex die richtige Konsistenz hat, packen wir das Messer dazwischen und legen alles in die Presse. Bei unser selbstgebauten Kydexpresse habe ich mich einfach draufgestellt und fünf Minuten gewartet. Wenn das Kydex erkaltet, wird es wieder hart und die Konturen des Messers zeichnen sich deutlich ab.

Man kann mit einer feinen Düse der Heißluftpistole vorsichtig kleine Anpassungen vornehmen und beispielsweise den Eingang der Scheide etwas nach außen biegen, damit das Messer besser hineingleitet.

Das schöne am Kydex ist, dass man bei Nichtgefallen, die Platte einfach wieder erhitzt und nochmal sein Glück versucht kann.

Wenn man mit dem Ergebnis zufrieden ist, gehts ans Bohren und Nieten. Man sollte sich vor dem Bohren genau überlegen, wo man die Nieten hinsetzt. Es müssen ja noch ggf. Befestigungen für einen Gürtel oder eine Tasche angebracht werden. Eine Gürtelklammer kann kydexman einfach selbst aus Kydex bastel oder man verwendet eines der bereits existierenden Systeme, wie beispielweise das TEK-LOK.

Am Ende kommt der Feinschliff und die Scheide wird endgültig in Form gebracht. Hier nimmt man die Feile, das Sandpapier oder wie in meinem Fall den Dremel. Die Ränder werden abschließend mit feinem Sandpapier (400 Körnung) geglättet. Perfekt glatt werden die Kanten, wenn man die Ränder vorsichtig mit Aceton behandelt.

Ich bin bereits bei der Planung einen Kydexholster für eine Pistole mit einer Art von Vakuumpresse herzustellen. Ich werde Euch in einem weiteren Artikel darüber berichten.

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